Category Archives: Solidarisch mit…

Infoveranstaltung #WeNeverForgetOuryJalloh

DE – EN – FR

Infoveranstaltung in Vorbereitung auf den 7. Januar 2021, die deutschlandweiten dezentralen Gedenkveranstaltungen unter dem Motto #WeNeverForgetOuryJalloh anlässlich der 16. Todestage von Bruder Laye-Alama Condé und Bruder Oury Jalloh.
 
Wir bitten um organisatorische Anmeldung unter black_community_hamburg@riseup.net – ansonsten wird der Link zur ZOOM-Konferenz am Sonntag auch hier in der Veranstaltung veröffentlicht werden…
 
Wir alle wissen, dass rassistische Vorurteile und tödliche Eskalationen repressiver Gewalt direkt miteinander verbunden sind! Der institutionalisierte Rassismus von Polizei und Staat in Politik, Medien, Bildungs- und Sozialeinrichtungen bildet den Nährboden und Grundlage für systemischen wie alltäglichen Rassismus und stellt rassistisch motivierte Diskriminierungen, Übergriffe und Morde als Machtstruktur systematisch straffrei. Während rechtsextremistischer Terror geheimdienstlich gefördert aber strafrechtlich verharmlost wird, können sich Beamte des Staates auf einen ganz grundsätzlichen Rechtsschutz gegenüber strafrechtlicher Verfolgung ihrer rassistischen Verbrechen verlassen!
 
Neben den letzten Entwicklungen im Oury-Jalloh-Komplex mit der Vertuschung 3er Morde im Polizeirevier Dessau – Hans-Jürgen Rose 1997 | Mario Bichtemann 2002 | Oury Jalloh 2005 – möchten wir auch über weitere straffreie Morde an Schwarzen Brüdern und Schwestern hier in Hamburg – Achidi John 2001 | Yaya Jabbie 2016 | Tonou Mbobda 2019 – und deutschlandweit informieren und diskutieren: Bruder Laye-Alama Condé 2005 in Bremen, Kola Bankole 1994 und Aamir Ageeb 1999 auf ihren Abschiebeflügen von Frankfurt/Main, N’deye Mareame Sarr 2001 in Aschaffenburg, Dominique Koumadio 2006 in Dortmund, Mohammad Sillah 2007 in Remscheid, Christy Schwundeck 2011 in Frankfurt/Main, Ousman Sey 2012 in Dortmund, Amos Thomas 2016 in Rohrbach (Bayern), Mikael Haile 2017 in Essen, Rooble Warsame 2019 in Schweinfurt, Sailou Hydara 2020 in Mannheim und wahrscheinlich noch mehr, von denen wir bisher noch nicht erfahren haben…
——————————————–
EN
Info event in preparation for January 7, 2021, the Germany-wide decentralized commemoration events under the motto #WeNeverForgetOuryJalloh on the occasion of the 16th anniversaries of the deaths of Brother Laye-Alama Condé and Brother Oury Jalloh.
 
We ask for organizational registration at black_community_hamburg@riseup.net – otherwise the link to the ZOOM conference on Sunday will also be published here in the event…
 
We all know that racist prejudice and deadly escalations of repressive violence are directly linked!
The institutionalized racism of police and state in politics, media, educational and social institutions forms the breeding ground and base for systemic as well as everyday racism and systematic impunity of racially motivated discrimination, assaults and murders as a power structure. While right-wing extremist terror is promoted by intelligence services but downplayed under criminal law, state officials can rely on a very basic legal protection against prosecution of their racist crimes!
 
In addition to the latest developments in the Oury-Jalloh-Complex with the cover-up of 3 murders in the Dessau police station – Hans-Jürgen Rose 1997 | Mario Bichtemann 2002 | Oury Jalloh 2005 – we also like to inform and discuss other unpunished murders of Black Brothers and Sisters here in Hamburg – Achidi John 2001 | Yaya Jabbie 2016 | Tonou Mbobda 2019 – and Germany-wide: Brother Laye-Alama Condé 2005 in Bremen, Kola Bankole 1994 and Aamir Ageeb 1999 on their deportation flights from Frankfurt/Main, N’deye Mareame Sarr 2001 in Aschaffenburg, Dominique Koumadio 2006 in Dortmund, Mohammad Sillah 2007 in Remscheid, Christy Schwundeck 2011 in Frankfurt/Main, Ousman Sey 2012 in Dortmund, Amos Thomas 2016 in Rohrbach (Bavaria), Mikael Haile 2017 in Essen, Rooble Warsame 2019 in Schweinfurt, Sailou Hydara 2020 in Mannheim and probably even more we haven’t heard about yet…
——————————————–
FR
Événement d’information en préparation pour le 7 janvier 2021, les manifestations commémoratives décentralisées à l’échelle de l’Allemagne sous la devise #WeNeverForgetOuryJalloh à l’occasion des 16e anniversaires de la mort du frère Laye-Alama Condé et du frère Oury Jalloh.
 
Nous vous demandons de vous inscrire à l’organisation sur black_community_hamburg@riseup.net – sinon le lien vers la conférence ZOOM de dimanche sera également publié ici à l’occasion de l’événement…
 
Nous savons tous que les préjugés racistes et les escalades meurtrières de la violence répressive sont directement liés !
Le racisme institutionnalisé de la police et de l’État dans la politique, les médias, les institutions éducatives et sociales constitue le terreau et la base du racisme systémique et quotidien et de l’impunité systématique de la discrimination, des agressions et des meurtres à motivation raciale en tant que structure de pouvoir. Alors que le terrorisme d’extrême droite est encouragé par les services de renseignement mais minimisé par le droit pénal, les fonctionnaires de l’État peuvent compter sur une protection juridique très élémentaire contre les poursuites de leurs crimes racistes !
 
En plus des derniers développements dans le complexe Oury Jalloh avec la dissimulation de 3 meurtres au poste de police de Dessau – Hans-Jürgen Rose 1997 | Mario Bichtemann 2002 | Oury Jalloh 2005 – nous aimons également informer et discuter d’autres meurtres impunis de frères et sœurs noirs ici à Hambourg – Achidi John 2001 | Yaya Jabbie 2016 | Tonou Mbobda 2019 – et dans toute l’Allemagne : Frère Laye-Alama Condé 2005 à Brême, Kola Bankole 1994 et Aamir Ageeb 1999 sur leurs vols d’expulsion de Francfort-sur-le-Main, N’deye Mareame Sarr 2001 à Aschaffenburg, Dominique Koumadio 2006 à Dortmund, Mohammad Sillah 2007 à Remscheid, Christy Schwundeck 2011 à Francfort-sur-le-Main, Ousman Sey 2012 à Dortmund, Amos Thomas 2016 à Rohrbach (Bavière), Mikael Haile 2017 à Essen, Rooble Warsame 2019 à Schweinfurt, Sailou Hydara 2020 à Mannheim et probablement encore plus dont nous n’avons pas encore entendu parler…

#WeNeverForgetOuryJalloh Davidwache Hamburg

DE | EN below | FR en bas de page

#WeNeverForgetOuryJalloh – 7. Januar 2021 – Davidwache

2021 – 16. Jahrestag des Mordes an unserem Bruder Oury Jalloh in Dessau

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh ruft zu einem dezentralen Gedenk- und Protesttag am Donnerstag, den 7. Januar, dem 16. Jahrestag der Ermordung Oury Jallohs auf. Jahrestag der Ermordung von Oury Jalloh auf. In Übereinstimmung damit rufen wir zu einer Gedenkkundgebung im Gedenken an Oury Jalloh und alle anderen Opfer von besonders tödlicher Polizeigewalt und anderen Formen rassistischer, institutioneller Tötungen mit Straffreiheit vor der Davidwache von 17 bis 20 Uhr auf.

Oury Jalloh wurde am 7. Januar 2005 von Dessauer Polizeibeamten rechtswidrig festgenommen, illegal inhaftiert, brutal gefoltert, schwer verletzt und anschließend an Händen und Füßen an eine feuerfeste Matratze gefesselt und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Die Täter behaupteten sofort, Bruder Oury Jalloh habe sich selbst verbrannt. Bis heute – 16 Jahre nach seinem brutalen und qualvollen Tod – ist der Mord an Bruder Oury Jalloh weder geklärt, noch sind die Täter angeklagt oder verurteilt worden, obwohl die vorliegenden Beweise die angebliche „Selbstverbrennungshypothese“ eindeutig ausschließen. Obwohl die vorliegenden Beweise die angebliche „Selbstverbrennungshypothese“ schlüssig ausschließen, behaupten Staatsanwälte und Richter nach wie vor, es gäbe keine „faktischen Beweise“ für einen Mord.

Der Mord an Oury Jalloh ist nicht der einzige ungeklärte im Dessauer Polizeirevier – bereits 1997 wurde Hans-Jürgen Rose von Polizeibeamten zu Tode gefoltert und Mario Bichtemann 2002 in der gleichen Zelle Nr. 5 des gleichen Polizeireviers zu Tode geprügelt. 5 desselben Polizeireviers im Jahr 2002 zu Tode geprügelt.

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh kämpft seit 2005 für Aufklärung und Gerechtigkeit in diesem Fall und hat mehrere umfangreiche und schlüssige Gutachten vorgelegt, die eindeutig belegen:   Oury Jalloh – das war MORD!

Oury Jalloh – nicht nur in Dessau, sondern auch hier in Hamburg!

Im Dezember 2001 wurde Achidi John verhaftet und im UKE durch die Brechmittel-Foltermethode getötet, was wir als ein weiteres Beispiel für institutionelle und polizeiliche Brutalität gegen Schwarze Menschen ansehen. Im Februar 2016 wurde Yaya Jabbie verhaftet und in der Untersuchungshaft getötet, was ohne nachvollziehbare Untersuchungen einfach als Selbstmord bezeichnet wurde. In ganz Deutschland gibt es viele, viele weitere solche Polizeimorde an unseren Schwarzen Schwestern und Brüdern, die alle ungestraft geblieben sind – von Bruder Kola Bankole (1994) und Mareame N’deye Sarr (2001) bis zu Christy Schwundeck (2011) und Mikael Haile (2017).

Am selben Tag, dem 7. Januar 2005, starb in Bremen unser ebenfalls sierra-leonischer Bruder Laye-Alama Condé, nach einer gewaltsamen Brechmittel-Folterprozedur am 27. Dezember 2004 – das Gerichtsverfahren gegen den Arzt, der Bruder Condé das Brechmittel und Wasser in die Lunge eingeflößt hatte, wurde 2013 wegen seiner „Verhandlungsunfähigkeit“ eingestellt. 

Und es gibt noch weitaus mehr Opfer rassistischer Polizeigewalt und straffreier Todesfälle in Gewahrsam innerhalb anderer migrantischer Communities jenseits unserer Schwarzen Community: Die Morde von Halim Dener (1994) bis Amad Ahmad (2018) oder Adel B. und Aman Alizada (2019), die nach Aufklärung und Rechenschaft schreien. Wir stehen gemeinsam gegen den systemischen Rassismus und die Kontinuität dieser staatlichen Tötungen.

An diesem 16. Jahrestag des Todes von Bruder Oury Jalloh und Bruder Laye-Alama Condé wollen wir nicht nur ein deutliches Zeichen gegen den anti-Schwarzen Rassismus in Polizei, Justiz und staatlichen Institutionen setzen, sondern mehr denn je gegen Polizeigewalt in all ihren Formen protestieren. Wir rufen alle Brüder und Schwestern, antirassistische Freunde und Organisationen auf, sich uns vor der historischen Davidwache in St. Pauli anzuschließen. Die berühmteste Polizeiwache Hamburgs ist ein Wahrzeichen für gewalttätige repressive und kriminalisierende Maßnahmen, die von der Hamburger Justiz meist stillschweigend sanktioniert werden. Hier haben Brutalität und Profiling gegen Schwarze Menschen in Hamburg eine besondere „Heimat“.

Wir alle wissen, dass rassistische Vorurteile und tödliche Eskalationen repressiver Gewalt direkt miteinander verbunden sind! Der institutionalisierte Rassismus von Polizei und Staat in Politik, Medien, Bildungs- und Sozialeinrichtungen bildet den Nährboden und Grundlage für systemischen und alltäglichen Rassismus in der Bevölkerung und insbesondere der erstarkenden, organisierten Rechten in Hamburg, Deutschland, Europa und weltweit.

#HamburgRemembersOuryJalloh #Davidwache0701

Rassismus ist keine „Meinung“, sondern ein organisiertes Verbrechen gegen die Menschlichkeit!

BLACK COMMUNITY Koalition für Gerechtigkeit & Selbstverteidigung | Freunde von Oury Jalloh Hamburg

2021-01-07_WeneverforgetOuryJalloh_Davidwache_DE_1Seite

EN

#WeNeverForgetOuryJalloh – January 7, 2021 – Davidwache

2021 – 16th Anniversary of the Death of our Brother Oury Jalloh in Dessau

The Initiative in Remembrance of Oury Jalloh calls for a Day of decentralized Commemoration and Protest on Thursday, January 7, of the 16 anniversary of Oury Jalloh’s murder. In accordance, we call out for a remembrance Rally in commemoration of Oury Jalloh and all other victims of especially deadly police violence and other forms of racist, institutional killings with impunity in front of Davidwache from 5 to 8pm.

Oury Jalloh was unlawfully arrested by Dessau police officers on January 7, 2005, illegally detained, brutally tortured, severely injured and then tied by his hands and feet to a fireproof mattress and burned beyond recognition. The perpetrators immediately claimed that Brother Oury Jalloh had burned himself. To this day – 16 years after his brutal and agonizing death – .Although the available evidence conclusively excludes the alleged „self-inflicted combustion hypothesis“ the murder of Brother Oury Jalloh has not been clarified, nor have the perpetrators been charged or convicted. Although the available evidence conclusively excludes the alleged „self-inflicted combustion hypothesis“ prosecutors and judges still claim that there would be no „factual evidence“ for a murder.

The murder of Oury Jalloh is not the only unsolved one in the Dessau police station – already in 1997 Hans-Jürgen Rose was tortured to death by police officers and Mario Bichtemann was beaten to death in the same cell no. 5 of the same police station in 2002.

The Initiative in Remembrance of Oury Jalloh has been fighting for clarification and justice in the case since 2005 and has presented several extensive and conclusive expert opinions that clearly prove:     Oury Jalloh – This was MURDER!

Oury Jalloh – not only in Dessau but also here in Hamburg!

In December 2001, Achidi John was arrested and killed in the UKE through the emetic torture-method which is again an example of institutional and police brutality and in February 2016 Yaya Jabbie was arrested and killed in custody intransparently labeled suicide. Throughout Germany there are many, many more police killings of our Black Sisters and Brothers, all of which have gone unpunished – from Brother Kola Bankole (1994) and Mareame N’deye Sarr (2001) to Christy Schwundeck (2011) and Mikael Haile (2017).

Even on the very same day January 7th 2005 another Sierra Leonean fellow Brother Laye-Alama Condé died in Bremen after a forceful and violent emetic torture procedure on December 27th 2004 – court procedures against the medical doctor instilling emetic fluid and water into Condé’s lungs were finally suspended in 2013 due to inability of the defendant to stand further trial.  

And there are far more victims of racist police violence and deaths in custody with impunity within migrant communities beyond our Black community from Halim Dener (1994) to Amad Ahmad (2018) or Adel B. and Aman Alizada (2019) that need to be shouted out for clarification and accountability. We stand as one against the systemic racism and the continuity of state killings.

On this 16th anniversary of Brother Oury Jalloh’s and Brother Laye-Alama Condé’s death, let us send a clear signal not only against anti-Black racism in the police, judiciary and state institutions but also react now more than ever against police brutality in all its forms. We call on all Brothers and Sisters, anti-racist friends and organizations to join us  in front of the historic Davidwache in St. Pauli. The most famous police station in Hamburg stands as a landmark for violent repressive and criminalizing measures sanctioned by the Hamburg judiciary. This is where brutality and profiling against Black people in Hamburg have a special „home”.

We all know that racist prejudices and deadly escalations of repressive violence are directly connected!. Police and state as well as institutionalized racism in politics, media, educational and welfare institutions form the breeding ground and the corner stones for systemic and everyday racism within the general population and especially of the strengthening, organized right in Hamburg, Germany, Europe and worldwide.

#HamburgRemembersOuryJalloh  #Davidwache0701

Racism is not an „opinion“, but an organized crime against humanity!

BLACK COMMUNITY Coalition for Justice & Self-Defense | Friends of Oury Jalloh Hamburg

2021-01-07_WeneverforgetOuryJalloh_Davidwache_EN_1page1 

FR

#NejamaisoublierOuryJalloh – 7 Janvier 2021 – Davidwache

2021 – 16ème anniversaire de la mort de notre frère Oury Jalloh à Dessau

L’Initiative en mémoire de Oury Jalloh appelle à une journée décentralisée de commémoration et de protestation le jeudi 7 janvier, à l’occasion du 16e anniversaire de l’assassinat de Oury Jalloh. En conséquence, nous appelons à un rassemblement en mémoire de Oury Jalloh et de toutes les autres victimes de violences policières particulièrement meurtrières et d’autres formes d’assassinats racistes et institutionnels en toute impunité, devant Davidwache de 17 à 20 heures.

Oury Jalloh a été illégalement arrêté par des policiers de Dessau le 7 janvier 2005, détenu illégalement, brutalement torturé, gravement blessé puis attaché par les mains et les pieds à un matelas ignifuge et brûlé au point d’être méconnaissable. Les auteurs ont immédiatement affirmé que le frère Oury Jalloh s’était brûlé. À ce jour, 16 ans après sa mort brutale et atroce, bien que les preuves disponibles excluent de manière concluante la prétendue „hypothèse de combustion auto-infligée“, le meurtre de frère Oury Jalloh n’a pas été élucidé, et les auteurs n’ont pas été inculpés ni condamnés. Bien que les preuves disponibles excluent de manière concluante la prétendue „hypothèse de combustion auto-infligée“, les procureurs et les juges continuent de prétendre qu’il n’y aurait pas de „preuves factuelles“ pour un meurtre.

Le meurtre d’Oury Jalloh n’est pas le seul non résolu dans le commissariat de police de Dessau – déjà en 1997, Hans-Jürgen Rose a été torturé à mort par des policiers et Mario Bichtemann a été battu à mort dans la même cellule non. 5 du même poste de police en 2002.

L’Initiative en mémoire d’Oury Jalloh se bat depuis 2005 pour la clarification et la justice dans cette affaire et a présenté plusieurs expertises approfondies et concluantes qui le prouvent clairement:    Oury Jalloh – C’était un MEURTRE !

Oury Jalloh – non seulement à Dessau mais aussi ici à Hambourg !

En décembre 2001, Achidi John a été arrêté et tué à l’UKE par la méthode de la torture émétique, ce qui est à nouveau un exemple de brutalité institutionnelle et policière. En février 2016, Yaya Jabbie a été arrêtée et tuée en détention sous une étiquette de suicide. Dans toute l’Allemagne, il y a beaucoup, beaucoup plus d’assassinats de nos frères et sœurs noirs par la police, qui sont tous restés impunis – du frère Kola Bankole (1994) et Mareame N’deye Sarr (2001) à Christy Schwundeck (2011) et Mikael Haile (2017).

Le même jour, le 7 janvier 2005, un autre confrère sierra-léonais, le frère Laye-Alama Condé, est mort à Brême après une violente procédure de torture émétique le 27 décembre 2004. Les procédures judiciaires contre le médecin qui avait instillé du liquide émétique et de l’eau dans les poumons de Condé ont finalement été suspendues en 2013 en raison de l’incapacité de l’accusé à poursuivre son procès. 

Et il y a bien plus de victimes de violences policières racistes et de décès en garde à vue en toute impunité au sein des communautés de migrants que dans notre communauté noire, de Halim Dener (1994) à Amad Ahmad (2018) ou Adel B. et Aman Alizada (2019), qui doivent être criés au secours et à la responsabilité. Nous sommes unis contre le racisme systémique et la continuité des meurtres commis par l’État.

En ce 16e anniversaire de la mort de Frère Oury Jalloh et de Frère Laïc-Alama Condé, envoyons un signal clair non seulement contre le racisme anti-noir dans la police, la justice et les institutions de l’État, mais réagissons aussi maintenant plus que jamais contre la brutalité policière sous toutes ses formes. Nous appelons tous les frères et soeurs, les amis et les organisations antiracistes à se joindre à nous devant la Davidwache historique de St Pauli. Pauli. Le poste de police le plus célèbre de Hambourg est un point de repère pour les mesures violentes de répression et de criminalisation sanctionnées par la justice hambourgeoise. C’est là que la brutalité et le profilage des Noirs à Hambourg ont un „chez-soi“ particulier.

Nous savons tous que les préjugés racistes et les escalades meurtrières de la violence répressive sont directement liés . La police et l’État, ainsi que le racisme institutionnalisé dans la politique, les médias, les établissements d’enseignement et les institutions sociales, constituent le terreau et les pierres angulaires du racisme systémique et quotidien au sein de la population en général et surtout du renforcement, organisé à droite à Hambourg, en Allemagne, en Europe et dans le monde.

#HambourgsesouvientdeOuryJalloh #Davidwache0701

Le racisme n’est pas une „opinion“, mais un crime organisé contre l’humanité!

Coalition de la COMMUNAUTÉ NOIRE pour la justice et l’autodéfense | Les amis de Oury Jalloh Hambourg

2021-01-07_WeneverforgetOuryJalloh_Davidwache_FR_1page

Gerechtigkeit muss bezahlt werden, wenn sie offiziell nicht erwünscht ist

UPDATE unserer Spendenkampagne #JusticeForMbobda

https://www.betterplace.org/de/projects/70409-justiceformbobda

Liebe Community und Unterstützer*innen,

Zeit für ein Update – es hat sich einiges getan, worüber wir Euch gern berichten würden:

Am wichtigsten ist, dass wir Eurer Spendenhilfe mittlerweile ein forensisches Zweitgutachten aus London vorliegen haben, dass den Rechtsbeiständen der Familie zur Verfügung gestellt wurde. Dazu waren vorher entsprechend umfangreiche Übersetzungen von den relevanten Aktenbestandteilen erforderlich, die wir ebenfalls mit Hilfe Eurer Spenden finanzieren konnten. Da die Rechtsbeistände der Familie Beschwerde gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens einlegen und bei Abweisung derselben ein Klageerzwingungsverfahren anstreben, können wir das Gutachten leider noch nicht öffentlich zugänglich machen, da es im weiteren Verfahren noch Verwendung finden soll.

Zusätzlich sind wir aktuell auch noch im Kontakt mit deutschsprachigen Forensiker*innen, um einzelne Nachfragen weiter abklären zu lassen.

Aufgrund der aktuellen Situation eines eingestellten Ermittlungsverfahrens müssen die Kosten für die Arbeit der Rechtsbeistände im Klageerzwingungsverfahren weiter direkt von der Familie getragen werden – in einem ordentlichen Gerichtsverfahren werden die Auslagen dafür zunächst von der Justizkasse übernommen und dann wird später im Urteil eine Kostenentscheidung gefällt. Auch das ist Teil der Strategie der Vertuschung – Gerechtigkeit muss bezahlt werden, wenn sie offiziell nicht erwünscht ist!

Damit sind wir bereits mittendrin in der schlechten Nachricht dieser Neuigkeiten:

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat Anfang August das Ermittlungsverfahren im Fall Tonou Mbobda einfach eingestellt. Die formale Begründung: Ein „Mangel an Beweisen“ für ein strafrechtlich relevantes Verhalten der handelnden Mitarbeiter*innen des UKE. Der zuständige Staatsanwalt Lars Mahnke attestiert den Security-Mitarbeitern nicht nur ein „Notwehrrecht“ gegen den ‚aggressiven Angreifer‘ Tonou Mbobda, sondern darüber hinaus sogar noch eine „Lebensrettungsabsicht“, mit der sie ihn töteten.

Wir haben dazu am 11. August 2020 einen Offenen Brief veröffentlicht und zur Durchsetzung einer unabhängigen, zivilgesellschaftlich getragenen Untersuchungskommission mit Beteiligung der Familie und der BLACK COMMUNITY* aufgerufen:

https://blackcommunityhamburg.blackblogs.org/2020/08/11/einstellung-des-ermittlungsverfahrens-ist-ein-unglaublicher-justizskandal/

„Die unfassbare Einstellung des Ermittlungsverfahrens im Angesicht der aktuellen weltweiten Massenproteste der #BlackLivesMatter-Bewegung auch hier in Deutschland und auch hier in Hamburg ist ein Schlag ins Gesicht der trauernden Familie, unserer Black Communities hier in Hamburg und weltweit. Sie zeigt einmal mehr eindrücklich, wie berechtigt und notwendig diese Massenproteste sind und bleiben, weil Schwarze Leben auch hier in Deutschland weder zählen, noch einer angemessenen Strafverfolgung würdig erscheinen!“ …

Am 18. August 2020 hat dann der Wissenschaftsausschuss der Hamburger Bürgerschaft in einer Fortsetzung seiner Selbstbefassung zu dem Fall getagt und den Staatsanwalt sowie Verantwortliche des UKE ausgiebig Raum für deren Erklärungen und Ausreden gegeben – weder Vertreter*innen der Familie, noch unserer BLACK COMMUNITY* hier in  Hamburg waren dazu eingeladen …

Unsere Presseerklärung und einen Audio-Mitschnitt des Wissenschaftsausschusses findet Ihr unter https://blackcommunityhamburg.blackblogs.org/2020/08/20/presseerklaerung-zur-selbstbefassung-des-wissenschaftsausschusses-der-hamburger-buergerschaft-zur-einstellung-des-ermittlungsverfahrensaudio-mitschnitt-wissenschaftsausschuss-zur-klaerung-im-fall-tono/

„Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Hamburg zur Einstellung des Ermittlungsverfahrens ohne Anklageerhebung ist für uns als betroffene Black Community weder angemessen, noch nachvollziehbar. Die Verweigerung eines rechtsstaatlichen Gerichtsverfahrens zum gewaltsamen Tod eines Schwarzen Bruders verstärkt unsere Trauer um ihn und lässt die vielen offenen Fragen, warum er so hat sterben müssen und wie es überhaupt dazu kommen konnte, weiterhin unbeantwortet. Bruder Tonou Mbobda hat niemals in seinem Leben und trotz seiner Erkrankung niemals auch nur einen Menschen angegriffen oder verletzt. Die Entscheidung zur Einstellung der Ermittlungen steht in einer strukturellen Reihe der systematischen Verweigerung von Aufklärung und Gerechtigkeit, wenn die Todesopfer staatlicher und institutioneller Gewalt Schwarze Schwestern und Brüder sind. Diese Entscheidung ist erneute Beweisführung für die institutionsübergreifende Wertlosigkeit Schwarzer Leben hier in Deutschland, die von offizieller Hand immer wieder frei von Strafverfolgung getötet werden dürfen.“

Wir haben dazu eine ganze Reihe von Protestaktionen – am 12.8.20 vor der Staatsanwaltschaft Hamburg und auf dem Rathausmarkt Hamburg | am 14.8.2020 vor der Staatsanwaltschaft Hamburg | am 15.8.2020 auf dem Johannes-Brahms-Platz in unmittelbarer Nähe zu den Hamburger Staatsanwaltschaften und Gerichten | am 30.8.2020 erneut auf dem Hamburger Rathausmarkt – organisiert und durchgeführt. (s. dazu https://www.facebook.com/justiceformbobda/)

Aber nun wieder zu den guten Nachrichten:

Zur Etablierung einer zivilgesellschaftlichen Selbstorganisation gegen staatlichen und institutionellen Rassismus, aber auch zur strukturellen Unterstützung gesellschaftlich benachteiligter und diskriminierter Menschen unserer Community haben wir die

„Black Community Coalition for Justice & Self-Defense“

ins Leben gerufen, die sich neben der politischen Kampagnenarbeit für Aufklärung und Gerechtigkeit auch für Empowerment, Bildung und Community Care einsetzt.

Wir haben solidarische Unterstützung durch die Schwarze Europa-Abgeordnete Pierrette Herzberger-Fofana erhalten, die selbst erst im Juni von der Brüsseler Polizei rassistisch angegriffen und dafür auch noch angezeigt worden ist. Ihr Grußwort zu unserer Protestkundgebung am 30. August 2020 findet Ihr unter https://blackcommunityhamburg.blackblogs.org/2020/08/31/grusswort-von-frau-dr-pierrette-herzberger-fofana-mdep-ardi/

Darüber hinaus haben Student*innen und Wissenschaftler*innen der HAW Hamburg eine Offenen Brief an die Staatsanwaltschaft Hamburg verfasst, der von vielen Akademiker*innen deutschlandweit unterzeichnet worden ist: https://blackcommunityhamburg.blackblogs.org/2020/09/10/offener-brief-von-wissenschaftlerinnen-und-studentinnen-an-die-hamburger-staatsanwaltschaft/

Wir bitten Euch also alle weiter informiert und dranzubleiben und unsere Kampagne #JusticeForMbobda auch weiterhin tatkräftig und finanziell zu unterstützen, damit die Aufklärung des gewaltsamen Todes von unserem Bruder Tonou Mbobda nicht einfach so unter den institutionellen Teppich einer rassistischen Staatsraison gekehrt werden kann.

Folgt unserer Kampagne auch auf den Sozialen Medien:

Facebook: https://www.facebook.com/justiceformbobda/

Twitter: https://twitter.com/Justice4Mbobda

YouTube: https://www.youtube.com/channel/UCl_qI2sxsFodWj0YjHn49Gw/videos

#TouchONE – #TouchALL

* BLACK COMMUNITY meint hier die politische Selbstorganisation der aktivistischen Gruppe, die u.a. die Kampagne #JusticeForMbobda organisiert und die Familie Mbobda unterstützt – die Großschreibung aller Buchstaben dient der Unterscheidung des allgemeinen Begriffes Black Community, der die Gesamtheit der Schwarzen Diaspora bezeichnet.

Offener Brief von Wissenschaftler*innen und Student*innen an die Hamburger Staatsanwaltschaft

Wir dokumentieren hier den Offenen Brief auf Initiative von Hamburger Akademiker*innen an den für die Einstellung des Ermittlungsverfahrens im Fall Tonou Mbobda verantwortlichen Oberstaatsanwalt Lars Mahnke von der Hamburger Staatsanwaltschaft, den Wissenschaftler*innen und Student*innen aus ganz mitgezeichnet haben.

Wir bedanken uns ausdrücklich für diese zivilgesellschaftliche Solidarität mit Unterstützung unserer Forderungen nach vollständiger Aufklärung, der Übernahme von Verantwortung und Rechenschaft für den gewaltvollen Tod von Bruder Tonou Mbobda sowie angemessenen Konsequenzen mit transparenten Veränderungen aller der Bedingungen, die zu seinem und vor ihm schon zum Tod von Achidi John (2001) geführt haben.

Aus der Pressemitteilung von Mitarbeiter*innen der HAW (PDF-Link):

„Rassismus in Deutschland: Der Fall William Tonou-Mbobda

William Tonou-Mbobda war 2009 aus Kamerun nach Deutschland gekommen, um zu studieren. 2019 verstarb er nach einem Einsatz von Sicherheitskräften in der Hamburger Uniklinik Eppendorf. Die Staatsanwaltschaft ermittelte in dem Fall. Das Verfahren wurde ohne Anklage eingestellt. Dagegen wehren sich Mitarbeiter*innen der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), unter ihnen auch namhafte Professor*innen.

Neben der HAW haben auch Professor*innen und Mitarbeiter*innen der Universität Hamburg, der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg, sowie der Universität zu Köln, der FH Kiel, der Universität Oldenburg, der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), der Bergische Universität Wuppertal, der Universität Siegen, der Universität Bielefeld, der Universität Vechta, der Ruhr-Universität Bochum, der Alice Salomon Hochschule Berlin, der Hochschule für Technik und
Wirtschaft Berlin, der Theologischen Hochschule Friedensau, der Universität Mannheim, der Europa-Universität Flensburg, der Hochschule für Gesundheit Bochum, der Universität Bremen, der Universität Kassel, der Johannes Gutenberg- Universität Mainz, der Universität Göttingen und der Universität Lüneburg den offenen Brief unterschrieben.“

Offener Brief an die Hamburger Staatsanwaltschaft (PDF-Link)

Hamburg, 31.08.2020

An die Staatsanwaltschaft Hamburg, z.H. Oberstaatsanwalt Lars Mahnke,

mit Bestürzen mussten wir feststellen, dass die Staatsanwaltschaft Hamburg das Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge im Fall William Tonou-Mbobdas ohne Erhebung einer Anklage eingestellt hat. Als Angehörige verschiedener Hamburger Hochschulen möchten wir unserer Trauer und unserer Empörung über die gewaltvollen Umstände, unter denen ein Schwarzer Student zu Tode gekommen ist, Ausdruck verleihen. Wir sind fassungslos und es verletzt zutiefst unser Rechtsempfinden, dass eine vollständige und nachvollziehbare Aufklärung des Falles in all seinen rechtsstaatlich relevanten Dimensionen bisher ausblieb und er von der Hamburger Staatsanwaltschaft ad acta gelegt werden soll. Mit Blick auf die schleppenden Ermittlungen im
Kontext von Gewalt gegenüber Schwarzen Menschen (bspw. Oury Jalloh, Rooble Warsame, Yaya Jabbi, Ousman Sey, Christy Schwundeck, Laya-Alama Condé) verstehen wir eine Aufklärung als wichtiges politisches Signal.

Wir schließen uns den Forderungen der Black Community Hamburg an, nach denen:

  • der Familie von William Tonou-Mbobda das Recht auf eine juristische Klärung seiner gewaltvollen Todesumstände und die Klärung ihrer diesbezüglichen Fragen ermöglicht werden muss. Hierfür muss eine Anklageerhebung seitens der Staatsanwaltschaft erfolgen;
  • die Einrichtung eines unabhängigen, von der Zivilgesellschaft getragenen Ausschusses zur Untersuchung aller Handlungen und Unterlassungen, die zum gewaltsamen Tod von William Tonou-Mbobda geführt haben, notwendig ist;
  • im allgemeinen Interesse der Öffentlichkeit eine vollständige und nachvollziehbare Aufklärung des Todesfalles in all seinen rechtsstaatlich relevanten Dimensionen durchgeführt werden muss – schon aus Gründen der Rechtssicherheit für andere Hamburger Krankenhauspatient*innen und des Rechtsfriedens für die Familie und weitere Schwarze Menschen in Deutschland;
  • ausdrücklich geprüft werden muss, inwiefern Rassismus eine Rolle in den Todesumständen Tonou-Mbobdas und bei dessen psychiatrischer Behandlung durch das UKE-Personal gespielt hat;
  • es einer Prüfung bedarf, inwiefern das Vorgehen der Sicherheitskräfte von geltenden Richtlinien wie der S3-Richtlinie der DGPPN zur Vermeidung von Zwang abwich.

Wir halten eine lückenlose Aufklärung der Todesumstände William Tonou-Mbobdas und insbesondere die Prüfung dieser auf die Reproduktion rassistischer Diskriminierung für unabdingbar, um eine an den Grund- und Menschenrechten orientierte medizinische Behandlung sowie Justiz und Rechtsprechung zu gewährleisten und zu signalisieren, dass es ein Interesse der Justiz und Rechtssprechung ist, allen in Hamburg lebenden Menschen Schutz und Sicherheit zu bieten.

Verfasser*innen:
Awista Gardi, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im CHIEF-Projekt, HAW Hamburg

Dr. Elina Marmer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Koordination CHIEF-Projekt, HAW Hamburg
Dr. Cornelia Sylla, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im CHIEF-Projekt, HAW Hamburg
Laura Röhr, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, HAW Hamburg
Prof. Dr. Sabine Stövesand, Lehrende an der HAW Hamburg
Prof. Dr. Annita Kalpaka, Lehrende an der HAW Hamburg
Pauline Runge, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HAW Hamburg und Promovierende im Kooperativen Graduiertenkolleg der UHH und HAW Hamburg
Fabian Fritz, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, HAW Hamburg
Liesa Rühlmann, Promovierende und Dozentin, Universität Hamburg
Cornelius Lätzsch, Promovierender im Kooperativen Graduiertenkolleg „Vernachlässigte Themen der Flüchtlingsforschung“ der Universität Hamburg und HAW Hamburg

Erstunterzeichner*innen:
Anna van Hoorn, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im CHIEF Projekt, HAW Hamburg
Isabel Collien, Leitung der Stabsstelle Gleichstellung, HAW Hamburg
Dr. Anne Vogelpohl, Lehrende an der HAW Hamburg
Dennis Hölzer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, HAW Hamburg
Prof. Dr. Louis Henri Seukwa, Lehrender an der HAW Hamburg
Prof. Dr. Efthimia Panagiotidis, Lehrende an der HAW Hamburg
Lynn Mecheril, Projektmitarbeiterin für Antidiskriminierung und Diversity, HAW Hamburg
Prof. Dr. Joachim Schroeder, Lehrender an der UHH
Katharina Rybarski, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Hamburg
Simone Plöger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promotionsstudentin, Universität Hamburg
Jennifer Adolé Akue-Dovi, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Hamburg
Judith Keinath, fremdsprachliche Angestellte, Universität Hamburg
Florian Muhl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität Hamburg
Lena Narawitz, Promovierende im Kooperativen Graduiertenkolleg „Vernachlässigte Themen der Flüchtlingsforschung“ der Universität Hamburg und HAW Hamburg
Paweł Mehring, Promovierender im Kooperativen Graduiertenkolleg der Universität Hamburg und HAW Hamburg

Cornelia Springer, Wissenschaftliche Koordination „Engagementförderung durch universitäre Lehre“, Universität Hamburg
Dr. Uta Wagner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Hamburg
Dr. Frauke Meyer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Transformationen am Fluchtort Stadt“, Universität Hamburg und Dozentin an der Fachschule für Soziale Arbeit Alsterdorf
Julian Ibrahim Jusuf, Promovierender im Kooperativen Graduiertenkolleg der UHH und HAW Hamburg
Laura Adam, Promovierende und Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Hamburg
Miriam Bach, Promovierende im Kooperativen Graduiertenkolleg der Universität Hamburg und HAW Hamburg
Carolina Colmenares Díaz, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Promovierende und Dozentin, Universität Hamburg
Jonas Kohlschmidt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität Hamburg
Anna Heudorfer, Promovierende an der UHH (Fakultät Erziehungswissenschaft)
Prof. Dr. Tilman Lutz, Lehrender an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie
Negin Shah Hosseini, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HAW Hamburg und Promovierende im Kooperativen Graduiertenkolleg der UHH und HAW Hamburg
Dr. Tania Mancheno
Prof. Mechtild Gomolla, Helmut Schmidt Universität Hamburg
Niklas-Max Thönneßen, Promovierender im Kooperativen Graduiertenkolleg der Universität Hamburg und HAW Hamburg
Dr. Oliver Leistert, wissenschaftlicher Mitarbeiter ICAM, Leuphana Universität Lüneburg
Prof. Dr. Johanes Richter, Lehrender an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie Hamburg
Prof. em. Dr. Karl-Josef Pazzini, Universität Hamburg
Prof. Dr. Vassilis Tsianos, FH-Kiel
Sabrina Sarkodie-Gyan
Samia Aden, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Kassel
Lena Rathsack, Studentin, Lehramt für Sonderpädagogik
Prof. Dr. Manuela Westphal, Universität Kassel

Prof. Dr. Constantin Wagner, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Dr. Magdalena Knappik, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Bergische Universität Wuppertal
Prof’in Dr. Anke Wischmann, Europa-Universität Flensburg
Meryem Choukri, Doktorandin an der Universität Warwick und Gießen sowie Lehrbeauftragte der Universität Hamburg
Dr. Karin Kämpfe, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Zami Khalil, Psychologe (M.Sc.) Medical School Hamburg und Lehrbeauftragter der Universität Hamburg
Lola Köttgen, Promotions-Studentin an der Universität Hamburg (Erziehungswissenschaft)
Prof. Dr. Alisha M.B. Heinemann, Lehrende an der Universität Bremen
Dr. Johanna Sigl, Leuphana Universität Lüneburg
Anne-Sophie Waag, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Universität Mannheim
Pia Garske, Mitarbeiterin Universität Göttingen
Dr. Caroline Schmitt, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Olezia Boga, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Universität Kassel
Tassilo Schuster, Promovierender an der Universität Hamburg
Dr. Tanja Ehmann
Lisa Basten, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
Prof. Dr. Astrid Messerschmidt, Bergische Universität Wuppertal
Jan Wolter, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrender an der Universität Oldenburg
Tobias Linnemann, Promovierender im Promotionsprogramm Migrationsgesellschaftliche Grenzformationen an der Universität Oldenburg
Olaf Berg, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Isidora Randjelović, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Alice Salomon Hochschule Berlin
Prof. Dr. Sabine Broeck, Universität Bremen
Veronika Kourabas, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Universität Bielefeld

Dr. Silke Betscher, Lektorin am Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft/ Universität Bremen
und Vertretungsprofessorin für Gesundheit und Diversität/ Hochschule für Gesundheit Bochum
Prof. Dr. Daniel Bendix, Lehrender an der Theologischen Hochschule Friedensau
Olga Gerstenberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin Alice-Salomon-Hochschule
Prof. Dr. Susan Kamel, Professorin für Museologie an der HTW Berlin
Prof. Dr. Iman Attia, Alice Salomon Hochschule Berlin
Prof. Dr. Karim Fereidooni, Lehrender an der Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Paul Mecheril, Lehrender an der Universität Bielefeld
Isabel Dean, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Universität Siegen
Dr. phil. Fatoş Atali-Timmer, Universität Oldenburg
Jana Kavermann, Promotionsstudentin Bergische Universität Wuppertal
Jessica Schülein, WissenschaftlicheMitarbeiterin Universität zu Köln
Dr. Vanessa E. Thompson, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fakultät für Kulturwissenschaften, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Kiana Ghaffarizad, Doktorandin an der Universität Vechta
Prof. ́in Dr. Júlia Wéber, Lehrende an der Hochschule Neubrandenburg
Prof. Dr. Susanne Spindler, Lehrende an der HS Düsseldorf
Prof. Dr. Barbara Schramkowski, Duale Hochschule Baden-Württemberg
Prof. Dr. Claus Melter, Fachhochschule Bielefeld
Alessandra Domizi, Doktorandin an der Universität Mannheim
Soniya Alkis, CvO Universität Oldenburg; Studentin
Barbara J. Funck, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Arbeitsbereich Interkulturelle Bildung, Universität Bremen
Prof. Dr. Barbara Schäuble, Lehrende Alice Salomon Hochschule Berlin
Olga Zitzelsberger, TU Darmstadt
Prof. Dr. Heike Radvan, BTU Cottbus Senftenberg
Dr. Inke Du Bois, Universität Bremen

Netzwerk (rassismus)kritische Migrationsforschung, Repräsentation, Community und Empowerment, Universität Bremen
Kritnet – Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung
Bildung – Macht – Rassismus; Rassismuskritische Veranstaltungsreihe; Studentische Initiative der Universität Hamburg und HAW

#FREE_ABDUL – AUFRUF ZU PROTEST UND PROZESSBEOBACHTUNG

BLACK COMMUNITY COALITION FOR JUSTICE & SELF-DEFENSE

Hamburg, 12. August 2020

Ein 24-jähriger Afrikaner erlitt erst eine schwere Kopfverletzung im Rahmen einer polizeilichen Maßnahme im Februar 2020 – nun wurde er kürzlich in der Untersuchungshaft am Holstenglacis von Justizvollzugsbeamten misshandelt und erneut am Kopf verletzt.

Wir, die Black Community Coalition for Justice & Self-Defense sind besorgt über die wiederholten gefährlichen Körperverletzungen, die an unserem Bruder Abdul begangen werden. Die körperliche Unversehrtheit und das Leben von Schwarzen Menschen werden in Hamburg immer wieder von Polizisten und auch durch Justizvollzugsbeamte in verantwortungsloser und menschenverachtender Art und Weise gefährdet.

Bruder Abdul wurde im Rahmen einer polizeilichen Maßnahme im Februar am Schanzenpark eine schwere Kopfverletzung mit Schädelbruch und Hirnhautblutung zugefügt, die operativ notversorgt werden musste. Nun ist er am Montag, den 3.August 2020 in der Untersuchungshaft von einem Justizvollzugsbeamten erneut am Kopf verletzt worden – genau an der Stelle, die vorher operiert worden war.

#BlackLivesMatter – auch bei Polizeieinsätzen und in Gefangenschaft!

Um das Leben und die Gesundheit unseres Bruders Abdul besser zu schützen, rufen wir zum öffentlichen Protest bei den zuständigen Behörden der Gefängnisverwaltung und der Justizsenatorin Anna Gallina (Bündnis 90 – Die Grünen) sowie zur Prozessbeobachtung des laufenden Gerichtsverfahrens gegen Bruder Abdul vor dem Amtsgericht Hamburg auf:

Freie und Hansestadt Hamburg – Untersuchungshaftanstalt Hamburg

Holstenglacis 3
20355 Hamburg

Telefon: 040 42829-0 , Fax: 040 42829-345, E-Mail: uhpoststelle@justiz.hamburg.de

 

Behörde für Justiz und Verbraucherschutz

Besucheradresse:                                     Postadresse:

Drehbahn 36                                             Postfach 30 28 22
20354 Hamburg                                        20310 Hamburg

Telefon: 040 40-115, Fax: 040 4273-13245, E-Mail: poststelle@justiz.hamburg.de

 

Nächste Prozesstermine am Amtsgericht Hamburg, Sievekingplatz 3 (Strafjustizgebäude):

21. August 2020 – 09 Uhr (Sprungtermin – nur 15min) – Saal 267

28. August 2020 – 09 – 16 Uhr – Saal 267

09. September 2020 – 11 – 12 Uhr – Saal 297

22. September 2020 – 09 – 16 Uhr – Saal 297

(Änderungen der Termine und Räumlichkeit gerichtlich vorbehalten)

 

Black Community Coalition for Justice & Self-Defense

Kontakt: black_community_hamburg@riseup.net

Sister Oloruntoyin +49157-85508102

Brother Mwayemudza +49176-99621504

SYSTEM CHANGE NOW! – SYSTEMWECHSEL JETZT!

EN-DE

The failure to protect basic human rights of adults and children has not only started to fail with the outburst of the CoVid-19-pandemia – it moreover was an expectable consequence of systemic failure:

Politics of global warfare, predatory exploitation of natural resources and deterrence of subsequent refugees are re-created in a vicious circle of Western White supremacy and privilege ever since the never ending days of slavery and colonialism.

The emergency measures taken to combat the CoVid-19-pandemia are characterized by aggressive authoritarism in general and highly selective neglect against segregated communities specifically. Protective orders are subjected to the privileges of those who have the freedom to #keepdistance or even a home to #stayhome. Refugees in coercive mass accommodations and lagers or undocumented „illegalized“ refugees have by order of state no safe space of place to protect themselves, their families or others. They are once again systematically excluded from their human rights to protection.

Be it in German mass accommodations, the streets of Hamburg, Berlin, Paris or London or in Italy’s agricultural slums or in the lagers of Moria or Libya – the crucial access to hygiene and medical care is impared or suspended. Human made refugees are again deterred, excluded and segregated by the very same „human“ societies – the colonial continuities of systemic racism are stronger then ever when it comes to pandemic emergency protection.  

We neither need to wait nor to expect a treatment on eye level – we need to organize ourselves and build sustainable autonomous structures of self-care and solidarity. Social and medical care cannot be a matter of profit but only a shared responsibility by all of us. If we allow human lives to be devalued again, we reproduce the inhumanity and cruelties of colonialism and fascism under modern neoliberal labels.

The Corona pandemic is a challenge not only on humanitarian grounds but on a systemic level. Do we really want to continue as before? Do we really want to proceed on the track that brought us up to this point? Can we again stand aside and look when human lives are neglected and endangered, when human and civil rights are ignored and suspended, when financial risks are socialized and financial aids are privatized to secure profits and shareholder values? 

The self-organized refugee struggles of the 1990ies and the beginning of the 21st century have managed to repeal so called „Residenzpflicht“ and the lager system to a great extent. A decade later these struggles had been trans nationalized and allies started to set up international rescue teams in the Mediterranean Sea and supporter networks along the Balkan route of the neglected refugees from Middle East, Asia and Africa. The turning point came with the so called “Refugee Crisis” in 2015. All the achievements of the refugee self-defence have been turned back to even lower standards than before their struggles. The Reception centres (AnkER-Zentren) and camps (ZASt) have grown even larger and into prison industrial complex. The residential obligations have been tightened up and extended. Asylum procedures are now shortened and restricted – deportation procedures escalate – legal interventions are habitually excluded. On the other hand the states obligations have been socialized into a so called “Welcome Culture” reducing state spending to a deterring minimum. 

What is to expect from the ongoing “management of crisis” should be of no surprise to no one anymore after the “bankster crisis” of 2008. Billions of tax payers’ money will be poured into those big profit companies that just yesterday payed out millions to their boards of directors and shareholders while precarious businesses and working class people are left behind in debts. Not to talk of those who have been structurally “forgotten”, neglected, segregated and discriminated against – the blind eye for them still feels better than the violent abuse that for sure will crush down on them after lockdown Corona-Police will be fenced back into business as usual. 

It’s high time for change – to sincerely try substantial and solidary solutions. Arundhati Roy suggests seeing pandemics as portals or gateways for transition from this world to another possible one:

“We can choose to walk through it, dragging the carcasses of our prejudice and hatred, our avarice, our data banks and dead ideas, our dead rivers and smoky skies behind us. Or we can walk through lightly, with little luggage, ready to imagine another world. And ready to fight for it.”

Black Community Coalition for Justice & Self-Defense



Der mangelnde Schutz der grundlegenden Menschenrechte von Erwachsenen und Kindern hat nicht erst mit dem Ausbruch der CoVid-19-Pandemie zu scheitern begonnen und war darüber hinaus erwartbare Folge eines Systemversagens:
Die Politik der globalen Kriegsführung, der räuberischen Ausbeutung natürlicher Ressourcen und der Abschreckung hierdurch hervorgebrachten Flüchtlinge wird seit den nicht enden wollenden Tagen der Sklaverei und des Kolonialismus in einem Teufelskreis aus westlich-weißer Vorherrschaft und Privilegien immer wieder neu befeuert.  

Die zur Bekämpfung der CoVid-19-Pandemie ergriffenen Notfallmaßnahmen sind durch einen aggressiven Autoritarismus im Allgemeinen und eine gleichzeitig hochselektive Vernachlässigung segregierter Gemeinschaften im Besonderen gekennzeichnet. Dabei sind die Schutzmaßnahmen den Privilegien derjenigen orientiert, die überhaupt über die Freiheit verfügen, #Abstand zu halten oder sogar in einem eigenen #Zuhause zu bleiben. Flüchtlinge in Zwangsunterkünften und Lagern oder undokumentierte "illegalisierte" Flüchtlinge haben per staatlicher Anordnung eben keinen sicheren Ort, um sich selbst, ihre Familien oder eben andere schützen zu können. Sie werden wieder einmal systematisch von ihrem Menschenrecht auf Schutz ihrer Gesundheit ausgeschlossen.

Ob in deutschen Massenunterkünften, in den Straßen Hamburgs, Berlins, Paris oder Londons, ob in den landwirtschaftlichen Slums Italiens oder in den Lagern auf griechischen Insel oder in Libyen - der entscheidende Zugang zu Hygiene und medizinischer Versorgung ist massiv eeingeschränkt oder gar gänzlich aufgehoben. Von privilegierten Menschen gemachte Flüchtlinge werden von denselben "menschlichen" Gesellschaften abgewehrt, ausgeschlossen und vernachlässigt - die kolonialen Kontinuitäten des systemischen Rassismus sind heute dort stärker sichtbar denn je, wo es um den Pandemie-Notfallschutz geht.  

Wir können jetzt weder länger zusehen, noch eine Behandlung auf Augenhöhe erwarten - wir müssen uns neu organisieren und nachhaltige autonome Strukturen zur solidarischen Selbstversorgung aufbauen. Soziale und medizinische Versorgung darf nicht mehr länger nur eine Frage der Profitabilität sein, sondern muss als gemeinsame Verantwortung von uns allen wahrgenommen werden. Wenn wir es in der aktuellen Situation zulassen, dass Menschenleben erneut und wiederholt entwertet werden, reproduzieren wir die Unmenschlichkeiten und Grausamkeiten des Kolonialismus und Faschismus unter dem Deckmantel moderner neoliberaler Etiketten.

Die Corona-Pandemie ist nicht nur aus humanitären Gründen eine Herausforderung, sondern insgesamt auf systemischer Ebene. Wollen wir wirklich so weitermachen wie bisher? 
Wollen wir wirklich auf diesem Weg fortfahren, der uns bis an diesem Punkt gebracht hat? 
Können wir wieder nur daneben stehen und einfach zuschauen, wenn Menschenleben geopfert und gefährdet werden, wenn Menschen- und Bürgerrechte geknebelt und außer Kraft gesetzt werden, wenn finanzielle Risiken sozialisiert und staatliche Finanzhilfen privatisiert werden, um die Gewinne und Shareholder Values zu sichern? 

Die selbstorganisierten Flüchtlingskämpfe der 1990er Jahre und zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben es geschafft, die so genannte Residenzpflicht und das Lagersystem weitgehend auszuhebeln. Ein Jahrzehnt später waren diese Kämpfe transnationalisiert und zivilgesellschaftliche Allianzen haben internationale Rettungsteams im Mittelmeer und Unterstützernetzwerke entlang der Balkanroute der vernachlässigten Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika aufgebaut. Der Wendepunkt und Backlash kam mit der so genannten "Flüchtlingskrise" im Jahr 2015. Alle Errungenschaften der Flüchtlingsselbstverteidigung wurden auf noch niedrigere Standards zurückgeworfen als noch vor ihren Kämpfen. Die Aufnahmezentren (AnkER-Zentren) und Lager (ZASt / LEA) sind seitdem noch größer geworden und haben sich zu einem Gefängnis-Industriekomplex entwickelt. Die Residenzpflicht wurde erneut verschärft und sogar noch erweitert. Asylverfahren sind nun verkürzt und wesentlich eingeschränkt - Abschiebeverfahren werden eskaliert - rechtliche Interventionsmöglichkeiten gewohnheitsmäßig ausgeschlossen. Auf der anderen Seite wurden die staatlichen Verpflichtungen zu einer so genannten "Willkommenskultur" sozialisiert, die die Staatsausgaben auf das notwendig abschreckende Minimum reduziert. 

Was von der laufenden "Krisenbewältigung" zu erwarten ist, dürfte nach der "Bankster-Krise" von 2008 nun niemanden mehr überraschen. Milliarden von Steuergeldern werden an genau jene großen Profit-Unternehmen fließen, die erst gestern noch Millionen an ihre Vorstände und Aktionäre ausbezahlt haben, während prekäre Unternehmen und Menschen aus der Arbeiterklasse verschuldet zurückbleiben. Ganz zu schweigen von denjenigen, die strukturell "vergessen", vernachlässigt, ausgesondert und diskriminiert werden – ihre „Unsichtbarkeit“ dürfte sich für sie immer noch „besser anfühlen“ als der gewalttätige Missbrauch, der nach der aktuellen Abschottung durch die Corona-Polizei mit Sicherheit über sie hereinbrechen wird, wenn wieder zur rassistischen Tagesordnung übergegangen und „Versäumtes“ nachgeholt werden muss. 

Es ist allerhöchste Zeit für Veränderungen - um wirklich nachhaltige und solidarische Lösungen zu suchen. 
Arundhati Roy hat vorgeschlagen, Pandemien als Portale oder Gateways für den Übergang von dieser Welt in eine andere mögliche Welt zu sehen:
"Wir können uns dafür entscheiden, hindurchzugehen und die Kadaver unserer Vorurteile und unseres Hasses, unserer Habgier, unserer Datenbanken und toten Ideen, unserer toten Flüsse und des rauchigen Himmels hinter uns her zu schleifen. Oder wir können leicht und mit wenig Gepäck durch sie hindurchgehen, bereit, uns eine andere Welt vorzustellen. Und bereit, dafür zu kämpfen.”

Black Community Coalition for Justice & Self-Defense

18. Todestag von Achidi John und die Parallelen zu dem Tod von Tonou Mbobda

Gestern jährte sich der #Todestag von Bruder #AchidiJohn zum 18. mal. #RIP

Der gewaltsame Folter-Tod von Bruder Achidi John weist viele Parallelen zum Tod von Bruder Tonou-Mbobda auf. Achidi wurde am 8.12.2001 am Morgen durch Zivilfahnder in St. Georg festgenommen und zur Brechmittel-Folter in die Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf verbracht.
Hier einige Quellen zum Vergleichen der Faktenlagen, handelnden Personen und staatlichen Vertuschungsstrategien:

>>Dort sollte er “zum Zweck der Beweissicherung” zum Erbrechen gebracht werden. Aus Angst vor dem, was an ihm vollzogen werden sollte, brach Achidi John schon beim Anblick des Behandlungsraums zusammen. Die Polizisten schleiften in den Raum. Er wehrte gegen die Einnahme des Brechmittels und schrie: “I will die, I will die!”. Daraufhin drückten mehrere Beamte den gefesselten Achidi John fest auf den Boden des Untersuchungsraumes. Zweimal schlug der Versuch, ihm stochernd eine Magensonde einzuführen, fehl. Beim dritten Mal gelang es der Ärztin Ute Lockemann, die Sonde durch die Nase einzuführen. Doch währenddessen verkrampfte sich sein Körper, ernässte ein und blieb reglos liegen.
„Eigentlich keine ungewöhnliche Reaktion“,verharmloste der Leiter des Institutes, Professor Klaus Püschel, später die Situation: Die Ärztin hatte ihn mindestens einige Minuten liegen lassen, ohne Wiederbelebungsversuche zu unternehmen. Sie deutet dies als “Simulation”. Es dauerte noch mehrere Minuten, bevor zunächst eine Studentin stutzig wurde, und dann die Ärztin Rettungsmaßnahmen einleitete.<<
(Quelle: http://akl-hamburg.de/…/%ef%bb%bfvor-10-jahren-tod-durch-b…/)

Anmerkung: Prof. Dr. Ute Lockemann ist heute Oberärztin an der Rechtsmedizin am UKE unter Prof. Dr. Klaus Püschel
+++++
>>Schon Anfang der 90er- Jahre hatten Hamburgs Drogenfahnder und Staatsanwaltschaft über den Einsatz von Brechmitteln zur Beweissicherung diskutiert, die Expertenmeinung von Prof. Klaus Püschel eingeholt. Am 22. August 1991 hatte dieser unmissverständlich erklärt, es dürfe beim Verdacht des Schmuggels von Drogen im Körper keinesfalls ein Erbrechen erzwungen werden.
Zitat Püschel: „Es besteht beim Erbrechen eine nicht unerhebliche Gesundheitsgefährdung z.B. durch Verletzung der Speiseröhre oder Einatmung von Erbrochenem.“
Im Sommer 2001 dann der Sinneswandel des Gerichtsmediziners. Als der damalige Innensenator Olaf Scholz (SPD) die Felle davon schwimmen sah, setzte er kurzerhand die Schill’sche Forderung nach einer härteren Drogenbekämpfung inklusive Brechmitteln um. Und der einstige Bedenkenträger Püschel leistet seitdem tatkräftig Unterstützung.

Indes wächst die Zahl der Stimmen derer, die ein Ende zumindest der gewaltsamen Verabreichung des mexikanischen Kaktussirups Ipecacuanha fordern. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery spricht Klartext: „Der Senat muss aufhören, Menschen mit Gewalt umzubringen.“<<
(Quelle: MoPo vom Todestag am 12.12.01 https://www.mopo.de/uke-arzt-lehnte-das-brechmittel-frueher…)
++++++
>>„Unmittelbarer Zwang heißt: Er wird von Polizeibeamten auf den Stuhl gedrückt, der Kopf wird festgehalten, das Brechmittel wird an die Lippen gehalten. Wenn der Beschuldigte sich weigerte zu trinken, wurde in einigen Fällen das Mittel mit der Sonde durch die Nase in den Magen eingeführt“, sagt Professor Klaus Püschel, Leiter der Hamburger Gerichtsmedizin.
„Die Verabreichung von Brechmittel“, so Püschel, „ist medizinisch nicht gefährlich. Ich würde es auch meinen Kindern geben, falls die Drogen genommen hätten.“

Der 23-jährige Nigerianer Achidi John wehrte sich verzweifelt gegen das Einführen der Sonde, warf sich laut Zeugenaussagen auf den Boden und rief auf Englisch: „Ich werde sterben, ich werde sterben.“ Die Ärztin, eine Mitarbeiterin von Professor Püschel, legte trotzdem die Magensonde. Der Mann starb. „Er hatte eine Herzkrankheit, die wir bei einer normalen Untersuchung gar nicht hätten diagnostizieren können“, sagt Püschel.<<
(Quelle: https://www.hinzundkunzt.de/das-ende-der-brechmittel-ara/)
+++++++
>>Strafrechtlich wurde die Hamburger Rechtsmedizinerin Ute Lockemann nie zur Rechenschaft gezogen. Die Obduktion hatte ergeben, dass John an einem Hirntod aufgrund von Sauerstoffmangels gestorben ist, der durch einen Herzstillstand verursacht wurde. Die Rechtsmediziner attestierten dem Toten einen Herzfehler.

Die Staatsanwaltschaft stellte das Vorermittlungsverfahren ein. Und auch ein Klageerzwingungsverfahren, das die Hamburger Anwältin Gabriele Heinecke für die Angehörigen angestrengt hatte, bleib erfolglos, trotz der Ächtung des Brechmitteleinsatzes durch den EGMR.<<
(Quelle: https://taz.de/Brechmitteleinsatz-in-Hamburg/!5143440/)
+++++++
>>Achidi Johns Tod sei wegen einer bestehenden Herzerkrankung „schicksalhaft“ gewesen, begründete die zuständige Staatsanwaltschaft in Hamburg später ihre Entscheidung, keine Ermittlungen gegen die Verantwortlichen aufzunehmen. Johns Eltern strengten ein Erzwingungsverfahren an. Der Antrag wurde abgelehnt, weil die Staatsanwaltschaft den Beteiligten, ohne sie anzuhören, einfach unter dem Motto „denn sie wissen nicht, was sie tun“, einen entlastenden „Verbotsirrtum“ zugestand. „Eine ebenso absurde wie konstruierte Unterstellung“, meint Rechtsanwalt Martin Klingner, der mit dem Fall befasst war. „Juristisch ist so ein Vorgehen nicht erklärbar. Hier fehlte schlichtweg der politische Wille, tätig zu werden.“<<
(Quelle: https://www.hintergrund.de/…/denn-sie-wissen-nicht-was-sie…/)
+++++++
>>Dass der Eindruck habe entstehen können, beim Einsatz von Brechmitteln handele es sich um eine „alltäglich anzuwendende abschreckende Strafe statt um notwendige Beweissicherung“, das ertrage er nicht. So begründete der Leiter des Hamburger Landeskriminalamtes am 16. Januar 2002 das Rücktrittsgesuch an seinen Vorgesetzten. Wenige Tage zuvor war der 19-jährige Achidi John an den Folgen eines solchen Brechmitteleinsatzes gestorben.

Folter zur Sicherung von Beweismitteln?

Zusammenfassend ist zu konstatieren, dass der zwangsweise Brechmitteleinsatz zur Erlangung von Beweismitteln in Form von verschluckten Drogenportionen in vielerlei Hinsicht rechtswidrig ist: Die Voraussetzungen des § 81a Absatz 1 StPO liegen nicht vor. Weder kann festgestellt werden, dass eine Beeinträchtigung des körperlichen Wohlbefindens über die Untersuchungsdauer hinaus ausgeschlossen ist. Schon gar nicht kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass der Brechmitteleinsatz gesundheitlich unbedenklich sei – insbesondere dann nicht, wenn das Mittel mithilfe einer Magensonde gewaltsam eingeflößt wird. In Betracht käme die Verabreichung eines Brechmittels allenfalls dann, wenn es tatsächlich freiwillig geschluckt würde. Weigert sich der Betroffene, so ist der Brechmitteleinsatz ausnahmslos unzulässig.

„Beweismittel unter Qualen aus einem Körper zu holen, hat etwas von Folter“, sagt Bernd Kalvelage von der Hamburger Ärzteopposition.[28] Und mit einer solchen rechtsethischen Bewertung liegt der Mediziner vermutlich noch ein wenig näher am Kern der hier behandelten Problematik als die zitierten juristischen Ausführungen.<<
(Quelle: https://www.cilip.de/…/etwas-von-folter-toedlicher-brechm…/…)

Heute: Kommt zur Urteilsverkündung vom Fall Juliet

Gestern, am 31. Juli 2019, nahmen wir uns mit der Demonstration zum Pan-Afrikanischen Frauentag die Straßen!
Circa 200 Menschen zogen vom Gerichtsgebäude an den Hamburger Messehallen durch die Innenstadt und verurteilten jede Gewalt gegen Afrikanische Frauen* und Familien.
Mit lautstarken Sprechchören, mehreren Bannern, Plakaten, Gesängen und Redebeiträgen feierten wir den Widerstand Afrikanischer Frauen gegen brutale Unterdrücker auf der ganzen Welt und hielten unsere ermordeten Schwestern, Mütter, Freiheitskämpferinnen und Heldinnen in Ehren. Wir betonten heute einmal mehr und umso deutlicher die untrennbare Verbundenheit des Kampfes um die komplette Befreiung Afrikas mit der Befreiung der Frauen!

Viele der Aktivist*innen waren schon seit früh morgens unterwegs, vor und im Gericht, um wie in den letzten Wochen und Monaten den Prozess gegen den Mörder von Juliet zu beobachten, sich zu solidarisieren und den Kampf gegen die Gewalt und gezielte Ermordung von Frauen* zu stärken.
Heute, Donnerstag um 14:30 Uhr findet die Urteilsverkündung im Gerichtsgebäude am Sievekingsplatz 3 statt. Kommt und unterstützt die Familie!

Organisiert euch! Lasst uns für einander einstehen, zusammen eine starke Black Community aufbauen und jede Form von Ausbeutung und Unterdrückung verurteilen!

#keinemehr
TOUCH ONE – TOUCH ALL!